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Fahrt zur Versöhnungsmesse in Reims

Anlass unserer Reise war der Gedenkgottesdienst zum Jahrestag der historischen Versöhnungsmesse vom 8. Juli 1962, an der Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle gemeinsam teilnahmen.
inschrift der Versöhnungsmesse 1962 in Reims
Datum:
10. Juli 2026
Von:
PGR St.Aposteln

Liebe Apostolaner, liebe Gemeindemitglieder,

mit großer Dankbarkeit und Freude blicke ich auf die vergangenen Tage zurück, die eine kleine Delegation unserer Pfarrgemeinde St. Aposteln in Reims verbringen durfte. Anlass unserer Reise war der Gedenkgottesdienst zum Jahrestag der historischen Versöhnungsmesse vom 8. Juli 1962, an der Bundeskanzler Konrad Adenauer und Staatspräsident Charles de Gaulle gemeinsam teilnahmen. Zugleich stand unsere Reise im Zeichen des 150. Geburtstages Konrad Adenauers, der als Messdiener und Pfarrkind eng mit St. Aposteln verbunden war und das benachbarte Apostelgymnasium besuchte. Dass wir der Einladung unserer französischen Freunde folgen und unsere Gemeinde bei diesem besonderen Gedenken vertreten durften, war für uns eine große Ehre.

Reims hat uns in diesen Tagen nicht nur als beeindruckende Stadt mit ihrer weltberühmten Kathedrale empfangen, sondern vor allem als ein Ort lebendiger Erinnerung. Gemeinsam besichtigten wir die Kathedrale und die Basilika Saint-Remi, besuchten die berühmten Champagnerkeller und führten anregende Gespräche mit Weihbischof Étienne Vető, Vertretern des Domkapitels sowie der örtlichen Pax-Christi-Gruppe. Dabei wurde immer wieder spürbar, wie lebendig die deutsch-französische Freundschaft bis heute ist und wie sehr sie von persönlichen Begegnungen lebt.

Der Höhepunkt unserer Reise war zweifellos der feierliche Gedenkgottesdienst in der Kathedrale von Reims. Weihbischof Étienne Emmanuel Vető stand der Eucharistiefeier vor, Offizial Peter Fabritz konzelebrierte, und ich durfte die Predigt halten. Es war für mich bewegend, an jenem Ort zu sprechen, an dem vor 63 Jahren zwei große Staatsmänner im Gebet ein Zeichen der Versöhnung setzten. Unser Basilikakantor Meik Impekoven verlieh dem Gottesdienst mit seinem einfühlsamen und festlichen Orgelspiel einen würdigen musikalischen Rahmen.

In meiner Predigt habe ich daran erinnert, dass Deutschland und Frankreich historisch tiefer miteinander verbunden sind, als uns manchmal bewusst ist. Lange bevor sich beide Nationen entwickelten, begann mit der Taufe König Chlodwigs in Reims jene gemeinsame Geschichte des christlichen Frankenreiches, aus der sich später beide Länder entfalten sollten. Deshalb gilt bis heute: Unsere Geschichte beginnt nicht mit der Trennung, sondern mit einer gemeinsamen Wurzel. Und ich habe daran erinnert, dass Europa nicht zuerst aus Verträgen entstanden ist, sondern aus einer gemeinsamen geistigen und christlichen Geschichte, die Verantwortung, Versöhnung und Menschenwürde miteinander verbindet.

Auch die Kranzniederlegung vor der Kathedrale war ein eindrucksvoller Moment. Dompfarrer Patrice Tremoureux fand Worte, die nachhallen: „Es bedurfte einer immensen politischen Kraft, aber auch des Glaubens, um vom Status der Erbfeinde zu brüderlichen Partnern zu gelangen. Das war nicht nur das Ende des Hasses, sondern der Beginn eines gemeinsamen Strebens nach Frieden.“ Und weiter sagte er: „Die deutsch-französische Aussöhnung ist das schlagende Herz Europas.“ Diese Worte machen deutlich, dass Versöhnung niemals selbstverständlich ist, sondern immer neu gelebt und bewahrt werden muss.

Was uns während dieser Tage besonders berührt hat, war die große Herzlichkeit unserer Gastgeber. Überall wurden wir mit Offenheit empfangen, und in vielen Gesprächen wurde deutlich, wie sehr die Erinnerung an den 8. Juli 1962 beide Seiten bis heute verbindet. Philipp Schumacher brachte dieses Gefühl am Ende unserer Reise mit einem einfachen Satz auf den Punkt: „Das war ein gegenseitiges Geschenk.“ Genau so haben wir es empfunden – und unsere Freunde in Reims ebenso.

Von Herzen danke ich Hans-Bernard Meyer, der diese Reise initiiert und mit großem Engagement vorbereitet hat. Dank seiner sorgfältigen Planung, bei der er durch seinen Sohn Paul unterstützt wurde, konnten wir diese Tage in großer Harmonie erleben und viele wertvolle Begegnungen machen. Ebenso danke ich Offizial Peter Fabritz, Philipp Schumacher und Basilikakantor Meik Impekoven für ihre Mitwirkung und die gute Gemeinschaft, die unsere kleine Delegation getragen hat.

Als wir Reims verließen, geschah dies nicht nur mit vielen schönen Erinnerungen, sondern auch mit der Gewissheit, dass die deutsch-französische Freundschaft weiterhin gepflegt werden will. Gerade in einer Zeit, in der Europa vor großen Herausforderungen steht, bleibt das Vermächtnis Adenauers und de Gaulles aktueller denn je. Versöhnung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein bleibender Auftrag.

Umso mehr freuen wir uns, dass bereits jetzt die Einladung zum Gedenken im kommenden Jahr ausgesprochen wurde. Dann wird sich der Versöhnungsgottesdienst zum 65. Mal jähren. Wenn Gott will, werden wir diesen Weg der Freundschaft und des gemeinsamen Erinnerns auch dann wieder mit unseren Freunden in Reims gehen.

Ihr und Euer

Dr. Dominik Meiering, Pfarrer