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Kunsthistorie

Römerzeit

Das Römische Köln Colonia Claudia Ara Agrippinensium war von einer knapp 4 km langen und ca. 8 m hohen Stadtmauer mit Stadttoren und Wehrtürmen umgeben. Unmittelbar vor dem westlichen Tor, außerhalb der Römerstadt, befand sich eine kleine, den zwölf Aposteln geweihte Kirche. Sie lag an der Ausfallstraße nach Aachen. 

Die Kirche von Erzbischof Pilgrim

Steinsarg des Erzbischofes Pilgrim
Steinsarg des Erzbischofes Pilgrim

Am Ort dieser älteren Kirche gründete der Kölner Erzbischof Pilgrim, der von 1021-1036 regierte, ein Kanoniker- bzw. Chorherrenstift. Dort lebte eine Gemeinschaft von Geistlichen, deren Mitglieder nicht als Mönche, sondern als Kanoniker oder Stiftsherren bezeichnet werden (bis 1802).

Die alte Apostelkirche wurde abgebrochen und ein Neubau errichtet. Neben den zwölf Aposteln war dieser Neubau auch dem hl. Paulus und der Gottesmutter Maria geweiht.

St. Aposteln Grundriss Pilgrim Bau
St. Aposteln Grundriss Pilgrim Bau

Die Kirche hatte ein Langhaus mit Mittelschiff und Seitenschiffen. Daran schloss im Westen ein breites Querhaus an. Dort, wo heute der Turm steht, befand sich ein quadratischer Chorraum über einer Krypta. 
Die Mitte des Querhauses war ursprünglich erhöht und zu den Seiten hin mit Schranken versehen. Dort befand sich bis zum 17. Jahrhundert - zwischen einem Chorgestühl für die Stiftsherren - das Grab des Kirchengründers, Erzbischof Pilgrim von Köln. 

Als Vorbild für ein solch ausladendes Querhaus mit einer zentralen Grabstätte hatte der ehrgeizige Bauherr wohl den Vorgänger des heutigen Petersdoms in Rom gewählt. Dort befand sich das Grab des hl. Apostels Petrus an gleicher Stelle. An Alt St. Peter in Rom aber auch an den alten Kölner Dom erinnert die ursprüngliche Ausrichtung des Kirchengebäudes. Der Bau hatte den Chor mit dem Hauptaltar auf der Westseite, wo sich heute der Turm erhebt. Die meisten mittelalterlichen Kirchen haben ihren Chor auf der gegenüberliegenden Seite im Osten. 

Veränderungen der Kirche im 12. und 13. Jahrhundert

Anstelle des ehemaligen Hauptchores im Westen wurde um die Mitte des 12. Jahrhunderts der mächtige fünfgeschossige Turm errichtet. Das flach gedeckte Langhaus erhielt im frühen 13. Jahrhundert Gewölbe. Im Gegensatz zu einer Holzdecke bot ein steinernes Gewölbe mehr Schutz vor Feuer. Zwei 6-teilige Rippengewölbe überdeckten nun das Mittelschiff.

Der Anbau des Kleeblattchors

St. Aposteln Grundriss
St. Aposteln Grundriss

Nach 1200 entstand der Kleeblattchor. Vorbild war der wenige Jahre vorher begonnene Chor von Groß St. Martin. Im Grundriss ähnelt dieser Chor einem dreiblättrigen Kleeblatt. Die einzelnen Kleeblattarme nennt man auch Konchen.

St. Aposteln Ansicht von Südost, ca. 1900
St. Aposteln Ansicht von Südost, ca. 1900

Nur die östliche Konche hat Fenster. Im Obergeschoss verläuft ein breiter Gang zwischen der Außenwand mit den großen Rundbogenfenstern und den Stützen der Nischenbögen im Inneren. Der Laufgang führt um das Obergeschoss des gesamten Chores. 

Zwischen die Konchen stehen Türme. Sie haben im Untergeschoss kleine Räume mit Gewölben auf einer Mittelsäule. Sie dienten als Schatzkammer und als Pfarrsakristei. 
In den Mauern verborgen liegen Wandtreppen und Gänge. Eine Treppe in der Ostkonche führte zu der hochgelegenen, von außen bis heute sichtbaren Pforte. Sie ist heute zugemauert. Früher konnte man durch diese Pforte über eine Brücke den Wehrgang der römischen Befestigungsmauer erreichen. Auf diesem Weg gelangten die Stiftsherren zu ihren Gebetszeiten von ihren an der Neumarktseite stehenden Wohnhäusern bequem in die Kirche. Die alte Stadtmauer bestand also noch lange nach der Römerzeit bis in die Höhe der heute sichtbaren Pforte.

Ein Ort für die Pfarre St. Aposteln

St. Aposteln von Norden mit Pfarrhallenhäusern
St. Aposteln von Norden mit Pfarrhallenhäusern

An der Nordseite der Kirche (da, wo heute das Adenauer-Denkmal steht) entstand seit dem 12. Jahrhundert die sogenannte Pfarrhalle. Sie dienste der Gemeinde vor allem für die Predigt. Sie war auch ein bevorzugter Platz für die Bestattung der in der Pfarre wohnenden Familien der städtischen Führungsschicht. Zum Kleeblattchor hin schloss sich eine Kapelle mit Beinhaus an.

Der Friedhof

Köln Richmodislegende von Johann Bussemacher 1604
Köln Richmodislegende von Johann Bussemacher 1604

Vor der Pfarrhalle befand sich der Friedhof. Noch heute kann man die Größe des Friedhofs an der trichterförmigen Einmündung in die Apostelnstraße ablesen. 
Der Friedhof ist Schauplatz der berühmten Richmodislegende.1349 wurde Köln von der ersten großen Pestwelle heimgesucht. Täglich starben hunderte Menschen. Es kam in der Folge zu Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung. 
Aus dieser Zeit ist die Richmodis Sage überliefert. Die reiche Patrizierin Richmodis von Aducht wurde irrtümlich für tot erklärt und auf dem Friedhof begraben. Als dann Grabräuber ihren Schmuck rauben wollen, wachte sie auf und versuchte nach Hause zurückzukehren. Dort rief der ungläubige Ehemann, dass eher seine Pferde auf den Turm kommen als dass seine Frau vor der Türe steht. Angeblich liefen dann seine Pferde die Treppe hoch. An diese Sage erinnert heute noch der Turm mit zwei Pferdeköpfen in der Richmodstrasse.

St. Aposteln von Norden, Kupferstich 1801
St. Aposteln von Norden, Kupferstich 1801

St. Aposteln in der Barockzeit

Vor allem im 17. Jahrhundert erfuhr die Kirche starke Veränderungen. Man gab den Westchor endgültig auf und der erhöhte abgeschrankte Bereich der Kanoniker wurde bis auf das Niveau des Langhauses abgetragen. Dabei fand man das Grab des Kirchengründers Pilgrim.

In den Turm wurde ein Doppelportal eingebrochen und eine Bühne für die Orgel eingebaut. 

Die Kirche war nun eindeutig nach Osten, zum Kleeblattchor hin orientiert. Dort errichtete man einen neuen Hochaltar. Die beiden Figuren der heiligen Petrus und Paulus sind davon erhalten. 

Am Ende des 18. Jahrhunderts brach man die Pfarrhalle ab und baute eine barocke Vorhalle. Schon seit 1670 stand in der Nordkonche der Hauptaltar der Pfarre. Dort befand sich ein Altar, der der hl. Katharina von Alexandrien geweiht war. Das zu diesem Altar gehörende Bild steht bis heute dort.

St. Aposteln, Ansicht von NO, 1838-1841
St. Aposteln, Ansicht von NO, 1838-1841

19. Jahrhundert

1802 wurde das Apostelnstift wie die allermeisten Klöster und Stifte der Stadt aufgelöst. St. Aposteln war nun nur noch Pfarrkirche. Die Stiftsbauten und der Kreuzgang wurden niedergelegt. Auch die Reste der Römermauer brach man ab, die das Gebiet des Stifts im Osten begrenzte.

Da das Kirchengebäude stark renovierungsbedürftig war, erfolgte in 1870er Jahren eine gründliche Wiederherstellung, die sich am spätromanischen Zustand orientierte.

Vierungskuppel, Mosaikausstattung von F. Stummel, A.Gobbo.1894,  Foto ca. 1936
Vierungskuppel, Mosaikausstattung von F. Stummel, A.Gobbo.1894, Foto ca. 1936

Mosaikenschmuck in der Kirche

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war der Kirchenraum von St. Aposteln komplett mit einem kostbaren, farbenfrohen Mosaikschmuck ausgestattet worden. 
Nach den starken Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg schlug man alle Mosaiken bis auf eine Ausnahme ab (siehe S.##). Schon zu ihrer Entstehungszeit waren die Mosaiken vor allem wegen der hohen Kosten umstritten gewesen. 

Abb 004  St. Aposteln Mittelschiff nach Osten, 1946
Abb 004 St. Aposteln Mittelschiff nach Osten, 1946

Kriegszerstörung und Wiederaufbau

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurde St. Aposteln 1942-1944 durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Betroffen waren die Gewölbe in Langhaus, Querhaus und Westchor. Auch der Bereich der Vierung und zwei Konchen sowie das nördliche Seitenschiff und obere Teile des Turmes und sämtliche Dächer wurden nahezu zerstört.

Der Wiederaufbau erfolgte ab 1947 und war 1975 mit der Rekonstruktion des Kleeblattchors abgeschlossen. Die Wiederherstellung des Außenbaus orientierte sich am Vorkriegszustand. 

Bei der Neugestaltung des Inneren versuchte man den hochromanischen Zustand wiederherzustellen.

Schon 1956/57 war die zugeschüttete romanische Krypta ausgegraben und wiederhergestellt worden.

Apostelstr., St Aposteln Vierungsaltar mit Leuchterkrone von S. Hürten, Foto Stadtkonservator Köln,körber-Leupold 1985 (1)
Apostelstr., St Aposteln Vierungsaltar mit Leuchterkrone von S. Hürten, Foto Stadtkonservator Köln,körber-Leupold 1985 (1)

Die Gestaltung des Innenraums konzentrierte sich vor allem auf die Dreikonchenanlage

Altar und Baldachin wurden von Sepp Hürten im Jahr 1975 geschaffen. Über dem Altar schwebt unter einem strahlenförmigen Baldachin der Tabernakel, gehalten von einer Taube, die das Sinnbild des Heiligen Geistes ist.