Innenraum dunkel nach Westen

Praktische Hinweise fürs Choralamt

Wer zufällig (oder auch gewollt) in unserem Choralamt "landet", ist oftmals von der Form oder von der lateinischen Sprache eingeschüchtert. Um Ihnen den Einstieg etwas leichter zu machen, haben wir Ihnen hier einige praktische Hinweise zusammengestellt:

Die Gregorianik wird an St. Aposteln in erster Linie im lateinischen Hochamt und in den Apostelämtern gepflegt. Dazu liegt im Westbau beim Taufbecken das Gesangbuch Cantuale aus. Hier finden sich die Ordinarien (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei), welche die Schola im Wechsel mit der Gemeinde singt, die Akklamationen der Gemeinde, sowie die Übersetzungen des Propriums, das die Schola lateinisch singt. Die Seitenzahlen werden mit dem Liedanzeiger angezeigt (für Gesänge aus dem Cantuale steht dann ein "C" vor der Nummer), sodass man sich schnell zurechtfindet. Eine Neuausgabe und Erweiterung des Cantuale ist in Vorbereitung.

Die Proprien singt die Schola seit 2017 nicht mehr nach dem Graduale Romanum (Solesmes 1979), sondern nach dem Graduale Novum – De Dominicis et Festis (ConBrio 2011). In dieser Ausgabe wurden die neuen Ergebnisse der Gregorianikforschung berücksichtigt; und mit Hilfe der abgedruckten Neumen ist es möglich, der ursprünglichen Gestalt des Gregorianischen Chorals näherzukommen.

Als Alternative zum Graduale Novum ist die Webseite Gregor und Taube sehr zu empfehlen, auf der die restituierten Proprien aller Sonntage und Hochfeste mit deutscher Übersetzung und Neumen zu finden sind. Wer möchte, kann mit seinem Smartphone die Proprien in Melodie, Rhythmik und Text mitverfolgen. Abgedruckt sind hier die Neumen aus Sankt Gallen, nach denen auch die Choralschola St. Aposteln singt.

Wer mehr zur Gregorianik erfahren will, dem empfehlen wir Stefan Klöckner: Handbuch Gregorianik – Einführung in Geschichte, Theorie und Praxis des Gregorianischen Chorals (ConBrio 2018). Das Buch ist nicht nur eine Einführung auf dem neuesten Forschungsstand, sondern auch ein sehr nützliches Nachschlagewerk für Scholasänger und -leiter. Insbesondere die „Elementare Neumenkunde“ am Ende des Buches vertreibt die Angst vor der vermeintlichen Geheimschrift der Neumen.

Schließlich noch ein Punkt, der nicht direkt mit der Gregorianik zu tun hat, aber doch mit dem lateinischen Hochamt: Die Gebete des Priesters – insbesondere die wechselnden Gebete Tagesgebet, Gabengebet, Hochgebet und Schlussgebet. Die lateinischen Gebete sind großenteils sehr alt (3. – 5. Jahrhundert) und für die meisten Messbesucher nicht nach dem Gehör zu übersetzen. Die deutschen Übersetzungen (z.B. im Schott) sind eher Übertragungen und werden der Ursprungssprache nicht immer gerecht. Man kann sich deshalb hier das Missale Romanum (Lateinisch - Deutsch) herunterladen.